Claude Sonnet 4.6 vs GPT 5.5 — Mareike (soloselbstständig) × BSW
Zwei Modelle direkt nebeneinander — Δ zeigt, wie stark das Urteil vom Modell abhängt.
fiktive Persona – keine reale PersonDivergenz der Modelle: nahezu einig?
Das BSW-Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt enthält einige direkt relevante Ansätze für Mareika: Die explizite Forderung nach einer Reform der Künstlersozialkasse und langfristigen Perspektiven für die freie Szene treffen ihre Kernbedürfnisse als Soloselbständige im Kreativbereich. Positiv wirken auch die angestrebte Bürgerversicherung und die Steuerfreiheit kleiner Einkommen. Dem gegenüber steht die Tariftreue-Klausel, die Soloselbständige systematisch von öffentlichen Aufträgen ausschließt, sowie ein wirtschaftspolitisches Kapitel, das soziale Absicherung fast ausschließlich im Rahmen von Arbeitnehmerrechten denkt – die wachsende Gruppe der Soloselbständigen bleibt strukturell unterversorgt.
👍 Besonders gut
Endlich redet mal jemand Klartext über die KSK. Ich zahle da ein, verlasse mich drauf – und jetzt soll das reformiert werden, damit Verdienstausfälle besser abgefedert sind. Das wäre für mich ein echter Unterschied.
Die explizite Forderung nach einer KSK-Reform trifft Mareikas zentrales Absicherungsproblem direkt. Als KSK-Mitglied ist sie auf funktionierende und stabile Strukturen angewiesen; das BSW benennt konkret die KSK-Reform als Ziel und den besseren Schutz vor Verdienstausfällen. Allerdings bleiben die Einzelmaßnahmen vage formuliert.
Projekte enden, Förderungen laufen aus, dann ist wieder Leere. Wenn Kulturstiftungen echte Planungssicherheit bringen würden, könnte ich endlich langfristiger denken statt von Antrag zu Antrag zu hangeln.
Mareika lebt als Soloselbständige in der freien Kreativszene, die durch Projektarbeit und schwankende Auftragslage geprägt ist. Planungssicherheit durch Stiftungsmodelle würde ihr helfen, strukturell stabiler zu arbeiten. Das BSW erkennt die besondere Situation der freien Szene an, was in Wahlprogrammen dieser Art selten ist.
Manche Monate bin ich froh, wenn ich 1.500 Euro raushole – und dann soll ich davon auch noch Steuern vorausberechnen. Wenn bis 2.000 Euro steuerfrei wäre, würde ich in den schlechten Phasen wenigstens nicht auch noch das Finanzamt im Nacken haben.
Mareikas Einkommen schwankt stark; in schlechten Monaten liegt es oft unter oder um 2.000 Euro. Eine Steuerfreiheit für diese Einkommensbereiche würde in schwachen Phasen direkte Liquiditätsentlastung bringen und den Druck der Einkommensteuervorauszahlungen verringern.
Ich zahle meine Krankenversicherung komplett selbst, und für die Rente bleibt am Ende fast nichts übrig. Wenn wirklich alle einzahlen würden – auch Besserverdienende und Beamte – wäre das endlich fair für Leute wie mich.
Als Soloselbständige ist Mareika für Kranken- und Rentenversicherung vollständig selbst verantwortlich, mit hohen Beiträgen und dünner Absicherung. Eine echte Bürgerversicherung, in die alle einzahlen, würde die Beitragslast verteilen und ihr auch im Alter eine solidarische Absicherung ermöglichen.
Ich kenn das: Man ahnt, dass man bestimmte Worte schreiben oder bestimmte Haltungen zeigen muss, damit der Antrag überhaupt gelesen wird. Wenn Förderung wirklich nur nach Qualität und Bedarf gehen würde, wäre das ein echter Fortschritt.
Mareika hat als freie Kreative Erfahrungen mit undurchsichtigen Förderstrukturen gemacht. Das BSW adressiert dieses strukturelle Problem direkt und fordert objektive, büroklatiearme Vergabekriterien ohne inhaltliche Loyalitätsanforderungen, was den Zugang für kleinere freie Akteure erleichtert.
👎 Besonders schlecht
Ich bin niemandes Angestellte – ich kann gar nicht tarifgebunden sein. Und jetzt soll ich auch noch von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden? Das ist das Gegenteil von Unterstützung für Leute wie mich.
Soloselbständige wie Mareika können definitionsgemäß keine Tarifbindung haben, da diese ein Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis voraussetzt. Diese Klausel schließt freie Kreative systematisch von öffentlichen Aufträgen aus, obwohl die BSW-Formulierung dem sozialen Schutz dienen soll. Für Mareika bedeutet das einen weiteren verschlossenen Zugang zu stabilen Einnahmequellen.
Schön, dass die das Problem kennen. Aber was hilft mir die Erkenntnis, wenn danach nichts Konkretes kommt? Ich warte nicht auf Diagnosen, ich brauche eine echte Lösung – und die suche ich hier vergebens.
Das Programm erkennt die mangelnde Absicherung von Selbständigen als Hemmnis für Gründungen an, entwickelt aber keine eigenen Maßnahmen, um dieses strukturelle Defizit zu beheben. Für Mareika als langjährige Soloselbständige ist die Diagnose ohne Therapie frustrierend – das Problem ist nicht neu, die Antwort fehlt weiterhin.
Auf Bundesebene einsetzen – das höre ich seit Jahren. Ich zahle hier und jetzt zu viel für zu wenig Schutz. Was macht das Land konkret für mich? Darauf gibt mir das Programm keine Antwort.
Das BSW überlässt die Lösung des drängenden Absicherungsproblems der Bundesebene. Für Mareika, die monatlich hohe Beiträge zahlt und trotzdem im Krankheitsfall oder bei Auftragsflaute kaum Schutz hat, ist eine Bundesratsinitiative kein greifbares Angebot. Sachsen-Anhalt hätte als Land keinen Durchgriff auf die Beitragsstruktur, und das Programm bietet keine landesspezifischen Überbrückungsmaßnahmen.
Mareike findet im BSW-Programm ungewöhnlich viele direkte Anknüpfungspunkte für ihre Lage: KSK-Reform, Kulturförderung, faire Honorare, Vorfinanzierung und digitale Unternehmensverwaltung sprechen ihre alltäglichen Risiken an. Kritisch bleibt für sie, dass das Arbeitskapitel insgesamt stark aus der Perspektive klassischer Beschäftigung argumentiert und manche kultur- oder zivilgesellschaftlichen Bereiche durch Kürzungs- und Kontrolllogiken enger werden könnten. Insgesamt überwiegen aus ihrer Perspektive die positiven, konkret belegten Punkte.
👍 Besonders gut
Genau da hänge ich doch: Wenn die KSK wackelt oder Verdienstausfälle nicht abgefedert werden, fällt mein ganzes Arbeitsmodell auseinander.
Mareike ist als soloselbstständige Kreative auf die Künstlersozialkasse und eine verlässliche Kranken- und Altersabsicherung angewiesen. Der Punkt trifft ihr zentrales Risiko: Krankheit, Flaute und Alter sind für sie keine abstrakten Sozialthemen, sondern Existenzfragen.
✓ belegt S. 40: „„Reform der Künstlersozialkasse“" — BSW-Wahlprogramm (beschlossen 07.03.2026) ↗
Ich will nicht jedes Jahr neu zittern, ob es überhaupt wieder Budgets gibt. Kreative Arbeit braucht mehr als kurzfristige Projektfenster.
Mareike lebt von projektförmiger Arbeit und kennt die Unsicherheit befristeter Förderlogiken. Langfristige Strukturen würden ihre Auftragslage und die ihrer Netzwerke stabilisieren.
Ich kann nicht monatelang in Vorleistung gehen und hoffen, dass irgendwann Geld kommt. Weniger Antragshölle wäre für mich echte Entlastung.
Für eine Soloselbstständige mit kaum Rücklagen ist Vorfinanzierung ein harter Ausschlussmechanismus. Der Vorschlag adressiert genau die Förderpraxis, an der kleine Kreative oft scheitern.
✓ belegt S. 41: „„Abbau bürokratischer Hürden“" — BSW-Wahlprogramm (beschlossen 07.03.2026) ↗
Ich habe keine Assistenz für Formular-Pingpong. Wenn Anträge und Nachweise an einem Ort laufen, bleibt mehr Zeit für Aufträge.
Mareike erledigt Buchhaltung, Akquise und Verwaltung allein. Ein einheitlicher digitaler Zugang würde ihren Zeitverlust durch verstreute Behördenwege und unklare Zuständigkeiten senken.
Förderung hilft mir nur, wenn ich sie auch verstehe und beantragen kann, ohne eine halbe Stelle Verwaltung dafür zu haben.
Mareike ist kein klassischer Industriebetrieb, aber als kleine digitale Kreativunternehmerin braucht sie verständliche Förderzugänge und Beratung. Der Punkt passt zu ihrer Kritik, dass Programme oft an den Kleinsten vorbeigehen.
Ein bezahlbarer Ort, an dem ich wohnen und arbeiten kann, wäre mehr wert als die nächste Hochglanz-Kreativkampagne.
Für Mareike sind bezahlbare Räume zugleich private Sicherheit und berufliche Infrastruktur. Wohn-Arbeits-Modelle können ihre Fixkosten senken und kreative Netzwerke in Sachsen-Anhalt stärken.
✓ belegt S. 89: „„Wohnraum und Atelier unter einem Dach“" — BSW-Wahlprogramm (beschlossen 07.03.2026) ↗
Wenn ich Workshops gebe, ist das professionelle Arbeit und kein Hobby. Faire Honorare sind nicht Luxus, sondern Miete und Krankenversicherung.
Mareike kann neben Design- und Contentaufträgen auch Workshops, Lehre oder kulturelle Bildungsarbeit übernehmen. Faire Honorare und Standards sind für sie wichtig, weil freie Arbeit sonst schnell zur schlecht bezahlten Lückenfüllung wird.
✓ belegt S. 40: „„Freie Lehrkräfte brauchen faire Honorare“" — BSW-Wahlprogramm (beschlossen 07.03.2026) ↗
👎 Besonders schlecht
Tarifbindung ist gut, aber ich habe keinen Betriebsrat und keinen Tarifvertrag. Meine Lücke wird damit nicht geschlossen.
Mareike teilt das Ziel fairer Arbeit, aber ihre eigene Lage ist nicht die einer tarifgebundenen Beschäftigten. Sie würde vermissen, dass soziale Absicherung, Krankheitsphasen und Auftragsflauten für Solo-Selbstständige systematisch geregelt werden.
Für viele von uns sind Medienprojekte echte Aufträge. Wenn da einfach Sparten und Formate wegfallen, trifft das nicht nur Intendantengehälter.
Mareike arbeitet im Content- und Kreativbereich und sieht öffentlich finanzierte Medien auch als Auftraggeber und Kulturinfrastruktur. Eine pauschale Reduktion von Unterhaltung und Spartensendern könnte aus ihrer Sicht kreative Auftragsfelder verengen.
Ich will nicht, dass Vielfalt in Schulen und Projekten ständig als Ideologie etikettiert wird. Offenheit braucht nicht immer erst eine Abwehrgeste.
Mareike ist liberal-progressiv und legt Wert auf Offenheit. Die Formulierung wirkt auf sie so, als könnten queere Bildungs- und Beratungsangebote unter Ideologieverdacht geraten, auch wenn das Programm gleiche Rechte zugleich betont.
Transparenz ja, aber bitte nicht jede kleine Initiative behandeln, als würde sie heimlich Politikfinanzierung betreiben. Das frisst wieder die Kleinen.
Mareike versteht den Wunsch nach Transparenz, aber ihr Umfeld hängt oft an Vereinen, Initiativen und Kulturprojekten. Eine stark misstrauische Förderlogik könnte aus ihrer Sicht neue Prüf- und Rechtfertigungslasten schaffen, gerade für kleine Träger.
✓ belegt S. 15: „„Gemeinnützigkeit klar und eng definieren“" — BSW-Wahlprogramm (beschlossen 07.03.2026) ↗